Der BDPM-VPK-Präsident, Dr. Christian Messer informiert die Mitglieder
31. März 2026Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
das Gesundheitswesen in seiner bestehenden Form wird gerade auf den Prüfstand gestellt. Schon beim angekündigten Vorhaben eines Primärarztsystems im Koalitionsvertrag haben wir von „disruptiven“ Veränderungen gesprochen.
Heute wird eine sogenannte „Expertenkommission“ – in der sich im Übrigen kein einziger ausgewiesener Kenner der ambulanten Medizin findet - der Bundesregierung ein Sparpaket von 25 Mio. Euros vorschlagen. Was davon dann umgesetzt wird, bleibt nicht nur abzuwarten, sondern vieles davon wird auch durch unseren Einfluss abzuwehren sein.
Im Vorfeld haben die Kassen schon einmal eine historisch einmalige Honorarkürzung der Psychotherapie um 4,5% über die Einzelperson Professor Wasem wie bei einem Teppichbasar durch den Erweiterten Bewertungsausschuss schieben lassen.
Nicht ganz unerwartet legt Frau Elsner vom Verband der Ersatzkassen nach und fordert die Wieder-Einbudgetierung der Psychotherapie. Außerdem sollen die Hälfte der freien Termine obligat der TSS gemeldet werden.
Liebe Frau Elsner: die Hälfte von Null ist leider Null!
Es werden die nächsten Tage und Wochen sehr viele Säue durchs Dorf getrieben werden. Ein Problem dabei ist, dass in Zeiten beunruhigender politischer Entwicklungen die Parteien der demokratischen Mitte selbst sehr populistisch unterwegs sind, und auf uns Leistungstagenden der Gesellschaft in vermutlich schwer erträglicher Weise einschlagen werden.
Fakt ist: nur 16% werden für die ambulante Versorgung ausgegeben. Die Steigerungsrate ist hier am niedrigsten, gefolgt von 17% Pharmakosten und 33% stationären Kosten mit der mit Abstand stärksten Kostenentwicklung!
Wir haben versicherungsfremde Leistungen im 2stelligen Milliardenbereich. 10 Milliarden schuldet die Bundesregierung den GKV-Versicherten allein für Bürgergeldempfänger. Bitte verstehen Sie das richtig: Bürgergeldempfänger brauchen unsere gute medizinische Versorgung. Der Staat kann aber diese Kosten nicht den GKV-Versicherten aufbürden. Das ist falsch verstandene Sozialpolitik auf dem Rücken der weniger begüterten Arbeitnehmern und allen Arbeitgebern: außer dem Staat!
Als Verband lassen wir uns hier nicht in blinden Aktivismus treiben, sondern bleiben vor allem wehrhaft und aktiv. Wir sind gut vorbereitet!
- Wir haben ein substanzielles Schreiben an Bundesgesundheitsministerin Warken geschickt, um sie bei einer Beanstandung des Beschlusses des Bewertungsausschusses argumentativ zu unterstützen.
- Wir haben mehrere Pressemitteilungen, die auch durch die Presse aufgegriffen wurden.
- Wir haben Interviews im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegen, die ausgestrahlt wurden.
- Wir haben zusammen mit dem Spitzenverband der Fachärztinnen und Fachärzte Deutschland (SpiFa) eine gemeinsam abgestimmte Strategie entwickelt, die immer an die Erfordernisse angepasst wird.
- Mit dem SpiFa sind wir als einzige fachärztliche Organisation direkt an den Fachgesprächen im BMG zur Einführung des Primärversorgungssystems beteiligt und nehmen Einfluss.
- Wir veranstalten in diesem Rahmen zusammen mit der Fachgesellschaft, anderen Verbänden und dem SpiFa ein Symposium zur Primärversorgung (am 26.06.2026), in dem wir zu einer Position kommen, was die Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie die Ärztliche Psychotherapie hier beitragen kann. Dazu haben Sie vergangenen Freitag bereits ein Safe-the-Date erhalten.
- Wir sind in der KBV, der BÄK, beim DÄT gut vertreten und reagieren passgenau auf die bundespolitischen Anfordernisse.
- Die KBV hat Klage gegen die Honorarkürzung eingelegt.
- Wir passen unsere Widersprüche an und werden klagen, falls die Honorarkürzung nicht vom Tisch kommt.
Sie sehen also, dass wir in dieser Situation, wie auch sonst, für Sie hochaktiv sind!
Allerdings sind wir eher zurückhaltend, vorschnell zu Aktionen aufzurufen, die dann in sich zusammenfallen, oder Treffen zu organisieren, die in einer mehr als unübersichtlichen Situation nur angsttreibende Wirkung entfalten.
Vertrauen Sie auf uns und unsere starken Partner! Wir stehen für Sie an vorderster Front bei diesen Auseinandersetzungen.
Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung als Mitglied des BDPM-VPK und freuen uns, wenn Sie andere Kolleginnen und Kollegen ansprechen und für unseren Verband werben.
Wenden Sie sich gerne mit weiteren Anregungen an uns!

